Montag, 13. Februar 2017

Ein Kind ist kein Kind?!?

Wie ich diesen Ausspruch hasse.

Kleinkinder spielen gemeinsam

Er gehört für mich zu einer der schlimmsten Formen von Mommywars.
Meistens wollen sich Eltern mit mehr als einem Kind damit gegenüber Ein-Kind-Eltern profilieren. Schließlich ist es so viel bedeutsamer, was Eltern von mehr als einem Kind zu leisten haben.

Ich war nur 1,5 Jahre Mutter eines Kindes und ich fühlte mich damals nicht unausgelastet. Ich war vollkommen neu in dem Job. Ich hatte Ängste und Sorgen, wie ich sie noch nie vorher kannte. Ich kämpfte mit extremem Schlafmangel und nichts an der Babypflege war Routine für mich.

Hätte mir damals jemand gesagt, dass "ein Kind kein Kind ist", hätte ich ihn ein paar Tage zu uns eingeladen um bei der Babypflege zu assistieren. Ich denke, derjenige wäre mit Augenringen und geheilt wieder nach Hause gegangen.

Drei Kinder später, kann ich berichten: Ich bin an meinen Aufgaben gewachsen.
Was beim ersten Kind noch ewig dauerte, erledige ich mittlerweile im Handumdrehen. Was vor sechs Jahren noch Panik auslöste, tue ich heute oft mit einem Lächeln ab. Ich bin entspannter geworden. Ich habe gelernt mich nicht verrückt machen zu lassen und auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich will nicht verschweigen, dass das für mich nicht leicht ist, aber ohne mehr Gelassenheit könnte ich unsere alltäglichen Herausforderungen nicht bewältigen.

Ich selbst merkte diese schleichende Verwandlung nicht wirklich. Mir fiel nur auf, dass ich immer öfter von bekannten Müttern mit den Wörtern "gelassen und ruhig" beschrieben wurde. Wer mich kennt, weiß, dass diese Worte mit mir in einem Satz genannt nur als grobe Satire gemeint sein können. Meine Außenwirkung scheint sich mit steigender Kinderzahl verändert zu haben.

Dass sich tatsächlich etwas in mir verändert hat, merkte ich sehr intensiv am Wochenende. Wir hatten teilkinderfrei. Die beiden Großen waren für zwei Nächte bei Oma und Opa. Am Samstagmorgen saßen wir zu viert am Frühstückstisch. Papa Maus schaute mich an, blinzelte und fragte mich, ob ich die Stille auch hören könnte. Natürlich war es nicht still, aber viel ruhiger als normalerweise. Alles schien wir in Zeitlupe abzulaufen, keine Hektik, kein Trubel, nur Entspannung. Alles ging viel schneller und reibungsloser. Wir zwei geübten Vollprofis schaukelten die zwei Kinder mit links.

So geht es uns immer, wenn ein oder mehr Kinder fehlen. Es ist ruhig. Oftmals zu ruhig. Ich denke, dann gerne an die Zeiten in denen wir weniger Kinder hatten. Nein, damals kam mir das ganz und gar nicht einfach vor. Ich war genauso ausgelastet wie jetzt mit den vier Kindern. Da der Tag nicht plötzlich länger geworden ist, scheine ich die 24h anders zu nutzen. Mit der Routine kommt die Effizienz. Außerdem werden die Kinder älter und damit selbstständiger.

Natürlich warten an manchen Stellen andere Herausforderungen in einer Großfamilie, wenn beispielsweise alle Kinder gleichzeitig Termine haben oder krank sind, aber das sind Ausnahmesituationen, die mit weniger Kindern genauso entstehen können.

Dieser Text ist für alle, die mir sagen, dass sie mit ihren Kindern bereits ausgelastet sind, die sich jedoch so sehr ein weiteres Kind wünschen und mich fragen, wie ich es schaffe mit vier Kindern. Hört ganz tief in euer Herz. Wenn ihr noch ein weiteres Kind wollt, glaubt mir ihr schafft das! In ein paar Jahren werdet ihr eure Kinder glücklich in den Arm nehmen. Ihr werdet zurückblicken und euch wundern, wie ihr damals auf ein weiteres Wunder verzichten wolltet, weil ihr dachtet, ihr könntet das nicht und ihr werdet froh sein, auf euer Herz gehört zu haben.

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